Menu


<< Zurück | START | Weiter >>

Geschichtliches, ein Blick in die Vergangenheit

Es war in Prag, am 10. Oktober des Jahres 1859. Aus „Freud's Restauration“, Ecke Wassergasse und Grube, ertönte lauter Jubel. In der Gaststube fand soeben die Gründung eines Vereins statt, von dem die Gründer damals noch nicht wissen konnten, welche Bedeutung er einmal haben würde und wie viel Freude er vielen Menschen auf der ganzen Welt bringen würde.

Die Gründungsmänner waren Musiker, Sänger, Komponisten, Schauspieler, Literaten und Kunstfreunde. Sie machten aus ihrem Stammtisch mit dem durchaus aggressiv gemeinten Namen „Proletarierclub“ einen Verein, den sie später „Schlaraffia“ nannten. „Schlaraffia“ als Gegenentwurf zur elitären poetisch-literarischen Gesellschaft „Arcadia“, die damals das Kunstleben im deutschen Teil Prags dominierte. Es waren zunächst 23 Mitglieder. Vereinszweck sollte sein: „Pflege der Kunst und des Humors“. Die Gründer (von heutigen Schlaraffen „Urschlaraffen“ genannt) und ihre Nachfolger betteten diesen Vereinszweck in ein Ritterspiel ein, um so auch das selbstgerechte und aufgeblasene Gehabe von Obrigkeiten persiflieren zu können.

Zur Gründungszeit herrschte in der deutschen Bürgerschaft eine große Begeisterung für das (scheinbar) romantische Mittelalter, speziell für die Ritterzeit. Da lag es nahe, sich aus den damaligen Ritualen zu bedienen. Auch die Lust zur Persiflage wird dabei eine Rolle gespielt haben; die schlaraffischen (Pseudo)-Würden und ihre devote Verehrung lassen sich leicht dazu benutzen, die unbeliebten Obrigkeiten der „Profanei“ (nichtschlaraffische Welt) zu verhöhnen.

Diese Entwicklung führte dazu, daß die Schlaraffen heute in „Burgen“ sippen (sich treffen), daß sie eine „Rüstung“ tragen, daß sie eine eigene pseudo-mittelalterliche Sprechweise pflegen, daß einige der Zeremonien pseudo-mittelalterlichen Charakter haben, z. B. der „Ritterschlag“, daß sich ein gravitätisch-gespreiztes Hofzeremoniell entwickelte, daß die „Romantik“ des Mittelalters adaptiert wurde und daß sie sich in „Reychen“ (Ortsvereinen) organisierten. Durch dieses Rittertum entstand auch die Spielhierarchie Knappe – Junker – Ritter.

Dieses freudige Geschehen in Prag sprach sich auch in anderen Städten herum und fand Nachahmer, die sich an der „Praga“ ausrichteten. So entstanden laufend neue Schlaraffenreyche nach Prager Muster, die nach der Reihenfolge ihrer Entstehung nummeriert wurden. „Praga“ trug die Reychsnummer 1, „Berolina“ 2, „Castellum Verdense 309 usw.

Prag war also die Keimzelle der Organisation, die heute „Allschlaraffia“ heißt, inzwischen über 150 Jahre alt ist, zwei Weltkriege, das „Dritte Reich“ und den Kommunismus überstanden hat und über 10000 Mitglieder weltweit zählt. Da die Urschlaraffen deutsch sprachen und in ihrer Satzung Deutsch als Sprache der Schlaraffen bestimmt hatten, wird heute in allen Schlaraffenreychen, auch in fremdsprachigen Ländern wie z. B. USA, Südafrika, Brasilien oder Australien, in deutscher Sprache gesippt.

http://schlaraffia-309.de/media/auf_der_seite/06.png